Ein herzliches Willkommen in Friedrichshain geht an Ben Sherman, die Company aus Brighton, die englische Traditionen pflegt wie kaum eine andere. Um Punkt 16:00 Uhr werden dort alle Rechner runtergefahren, denn dann ist Tea Time. Feinstricker, Karohemd und Harrington gehören dort zur Grundausstattung und sorgen für ein gepflegtes Bild. Die Sherman-Kollektion macht einfach immer wieder Spaß, Sachen wie das Romford-Polo kann man im Prinzip jeden Tag tragen. Perfekte, nie zu schlabbrige Schnitte und aufgeräumte Designs bestimmen das Bild der adretten Briten. Und wir sind jetzt dabei.
Die traditionell releaseschwache Wintersaison neigt sich dem Ende zu und startet mit einem hoch antizipierten Longplayer. Andrew Butler, Mastermind hinter Hercules & Love Affair, verordnete seinem Projekt eine Frischzellenkur, tauschte mehrere Bandinsassen und reiste nach Wien, wo er den Elektronikpionier Patrick Pulsinger als Produzenten des neuen Albums "Blue Songs" gewinnen konnte. Das Ergebnis klingt tief verwurzelt in der Housegeschichte, kokettiert hier und da mit Wave, Disco oder Detroit und sehnt sich nach den großen Momenten des Popzirkels. Alles in allem, in der Kurzversion: Imposant und fabelhaft. Den Beweis erbringt der folgende Albumstream, den das Label Moshi Moshi freundlichweise bei Soundcloud zur Verfügung gestellt hat.
Mittlerweile ein paar Wochen alt, ist diese bezaubernde Platte in den letzten Tagen auch endlich wieder in den Berliner Lagern eingetroffen. Die Rede ist von Omar-S perkussivem Gewaltwerk "Da Teys", dessen tribalistische Einlage an Großtaten Kenny's & Louie's erinnert. Unberechenbar, wie man das aus Detroit gewohnt ist, packt Omar-S mit "All I do" die 15-Jahre alte Roy Davis Jr.-Hommage an Stevie Wonder auf die B-Seite und sorgt damit auch noch anno 2010 2011 für Entzückung.
Everybody's Electro/House-Darling Uffie stellt mit dem jüngsten, für Anfang November angekündigten Ed Banger-Release "Difficult" klar, wo ihre Qualitäten liegen: Wer Dancefloor-orientierte Kost erwartet, könnte ein wenig enttäuscht sein, denn dieser Track suggeriert eher relaxtes Abhängen mit der Süßen und birgt mit Sicherheit ein gewisses Kariesrisiko. Aber es steht außer Frage, dass der Song richtig gut ist - ein echter Ohrwurm, den man so schnell nicht los wird. Liegt mit Sicherheit auch am schlichten Refrain, den man eigentlich schon beim ersten Hören mitträllert. So und nicht anders funktioniert gute Popmusik im Jahr 2010!
"This is the way" ist ganz sicher der aufregenste Track auf der exzellenten "Four to the Four EP" Nebraskas bei seiner vierten 12" für Rush Hour. Langsam baut sich der Disco-Groove in Richtung Höhepunkt auf, dann setzt die Hook ein und sorgt kollektiv für Hände in die Luft. Nehme ich mal an.
Vocal House ist nicht jedermanns Sache. Hier geht's zu einem der besseren Tracks, der im DubStep-Gewand eigentlich noch besser funktioniert. Die Remixe von Tom Stephan, Subfocus und 12th Planet verändern Stimmung und Charakter des Songs komplett, wobei das Energielevel bei allen vier Versionen sehr hoch gehalten wird.
Die neue EP des Erdbeerschnitzels auf Miraulässt leider noch ganze drei Wochen auf sich wartenist raus! Bis dahin lässt sich die Warterei mit einer herzallerliebsten Hommage an das Frankfurter Umland und urdeutsche kulinarische Spezialitäten vertreiben. Superstar-DJ-Tiesto steht auch drauf!
"Business Casual" heißt das zehn Tracks umfassende Werk, das auf Chromeos Trademark-Stil - ein unbeschwerter Stil-Mix aus Synthie-Pop, House und Disco - setzt und zum großen Abräumer des Jahres 2010 avancieren könnte. Wer mit CDs keine Probleme hat, kann sich gleich die Deluxe-Ausgabe mit Remixen von Skream, Siriusmo, Aeroplane und Christian Martin auf dem Einkaufszettel notieren. Chromeos Stil ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, wenn der Sound dich aber einmal gepackt hat, lässt er dich so schnell nicht mehr los.
So wie es im Moment aussieht, gehört die Zukunft dem Bass. Das hat auch das Label Soul Jazz Records erkannt, darum haben sie ihre für Ende September angekündigte Compilation auch "Future Bass" getauft. Wie das Ganze dann exakt klingen wird, demonstrieren die Exklusivbeiträge von Four Tet, Mala, Untold, Black Chow (Kevin Martin/The Bug’s aktuelles Projekt), Coki und einigen anderen, die sich hingebungsvoll Stilrichtungen wie Post-Dubstep, Post-House etc. widmen. Wir empfehlen ganz besonders das Dreifach-LP-Package in einer Kunststoffverpackung, die zusätzlich Postkarten für ein paar schriftliche Grüße aus der Zukunft enthält. Einfach boooooooombastic, wenn du uns fragst.
Irgendwie immer noch Sommer! Dazu eine Stunde verspielter, leicht cheesiger Edits zwischen Prince, Chic, Ashford & Simpson, Donna Summer, Sylvester, New Jersey Connection, Rose Royce & many more auf ordentlichen 120 BPM per Minute. (Darüber mag es der Aigner nicht). Have a good week!
Seit jeher gehört DJ Deep (neben anderen Qualitäten) zu den Meistern der Kompilationskunst, der schon so manchen legendären Sampler auf die Beine gestellt hat. Sein neuester Ausflug für die gleichgesinnten Briten bei der BBE zielt nach Chicago, Detroit und New York und holt eine jackende Perle nach der anderen aus der Versenkung heraus. Meine Güte, jemals vom Chicago Music Syndrome gehört? Ich jedenfalls nicht und bin grenzenlos begeistert.
Detroit mag als Stadt leider vor die Hunde gehen, in Sachen Produzentennachwuchs brauchen sie sich nach wie vor wenig Sorgen zu machen. Omar-S fragt einfach seinen kleinen Cousin, der dem Namen nach schon ein ganz Großer ist, der steuert ihm kurzerhand Tracks bei und Omar-S legt noch mal den letzten Feinschliff drüber. Fertig ist die nächste überzeugende Detroit-Maxi.
Pépé Bradock-Maxis gehören der Kategorie "Blindkauf" an, sind aber auch immer sehr schnell vergriffen und später auch über Discogs und Konsorten nicht mehr allzu günstig zu haben. Eine seiner essentiellsten Platten ist die oben abgebildete "Burning-EP", datiert aus dem Jahre 1999 und lässt auch heute noch jeden 'Deep-House'-Entwurf in Sachen Komplexität, Drumprogrammierung und Arrangement - von Gefühl ganz zu schweigen - links liegen. In wenigen Tagen erfolgt ein Re-Issue, also schnell zugreifen, weil auch diese Auflage sicherlich zu einer äußerst begehrten reift.
Wer Bradock nch gar nicht auf dem Schirm hat, dem empfehle ich darüber hinaus die im vergangenen Jahr erschienene Remix-Compilation, die der Kollege Aigner hier so schön in Worte gefasst hat.
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