Das halbe Jahr ist längst um, der erste Monat des neuen Halbjahres neigt sich auch bereits dem Ende entgegen, es wird allerhöchste Zeit, unsere (Halb-) Jahresbestenliste ins Finale zu führen. Den Abschluss macht Ronald, here we go:
(Skeletons – Smile) Großes Afro Jazz Album von Nostalgia 77 unter dem Skeletons Pseudonym. Ich kann der etwas psychedelischeren Art der Whitefield Brothers oder der Heliocentrics durchaus etwas abgewinnen, aber mein hochgestreckter Daumen zeigt in Sachen Mulatu-Erbschaft nach Brighton. Groovy Groovy Groovy. Die Skeletons mit "Positive Force". Buy
(J-Live – The Way That I Rhyme) Ich war überrascht ob der Ankündigung zum Vinylrelease, geisterte das Stück doch schon einige Monate vorher im Netz zum freien Download rum. J-Live ist immer ein netter Partner im Ohr für den Rapmoment und "The Way That I Rhyme" ein Kracher. Buy
(Gilles Peterson and Stuart Baker - Freedom, Rhythm and Sound) Über die letzten Jahre haben es vor allem Soundway und Soul Jazz geschafft, mir meine wo auch immer herkommende Abneigung von Samplern zu nehmen. Und mit diesem Werk und dem dazugehörigen, wundervoll aufgemachten Buch mir eine weitere Leidenschaft zum sammeln geebnet: politischen & spirituellen Jazz aus den 70ern – vor einigen Jahren noch eine unangenehme Vorstellung für mich. Mein Highlight hier ist Michael White’s "The Blessing Song", wobei sich wohl einige auch darüber freuen dürften, endlich Sun Ra’s "Nuclear War" auf Platte spielen zu können. Buy
(Gonjasufi – A Sufi & A Killer) Bleibt eigentlich nicht viel zu sagen, das machen allein schon die Credits: produziert von Flying Lotus, The Gaslamp Killer und Mainframe (Produzent vom "Johnson & Jonson"-Album mit Blu), dazu der Nomade am Mikrofon. Hat irgendwie Profil, was Warp mit dem Produkt Gonjasufi gemacht hat. Natürlich nicht jederzeit zu genießen, aber des öfteren erfrischend unangenehm. Da Flo dem wundervollen "Made" dieser Tage schon Platz gegeben hat, gibt’s von mir Gonjasufi’s "Candylane". Buy
(Kankick – Beautiful - Opus of Love Deeper Than Flesh) Kanzulu muss hier einfach mit rein. Seine herrlich charmante Art des Produzierens begeistert immer wieder, und umso mehr macht mich die Veröffentlichung auf Platte seelig. Eine Herzensangelegenheit war das, so auch diese Platzierung. "Nightime Beauty" a la Kankick. Buy
(V.A. - Si, Para Usted - The Funky Beats Of Revolutionary Cuba Volume 1 & 2) Sampler, die zweite. Seattle’s Light In The Attic Label schwang die Rumbakeule und veröffentlichte die beiden schon über Waxing Deep auf CD erschienenden „Si, Para Usted“ Versionen auf Platte. Mir war kein Interpret vorher bekannt, geschweigedenn irgendein Lied. Nun bin ich offensichtlich ein Amigo vom Communist Funk, passend zum Faible für Political Jazz. Puh. Hier gibt’s die Grupo Los Yoyi mit "El Fino". Buy
(Knxwledge – Klouds) Nach etwas dünneren Releases zu Anfangstagen des Labels hat sich über die letzten 2 Jahre der Backkatalog von All City beachtlich gesteigert, und die große Beliebtheit von instrumentalem Hip Hop rührt somit auch unweigerlich vom Output der Iren her. In diesem Jahr hat bei mir die "Klouds" EP von Knxwledge und dessen „Pattern Klear“ bislang die Nase vorn, netter Lo-Fi Hip Hop aus Philly. Nicht wirklich repräsentativ für die aktuelle Beat Dimension, aber durch meine Vorliebe für kankicksche Beats vielleicht nachvollziehbar. Buy
(Hot Chip – I Feel Bonnie w/ Bonnie Prince Billy) Ich brauch’s manchmal käsig, und genau dafür ist diese Platte in meinem Regal da. Der Bärtige macht in House und ich steh’ einfach drauf! Ansonsten bin ich nicht allzu vertraut mit der derzeitigen Identität Hot Chip’s, weiss aber, dass die A-Seite bei mir auf unbestimmte Zeit mint bleiben wird. Deshalb hier die B-Seite, Hot Chip mit Will Oldham und "I Feel Bonnie". Buy
(Roy Ayers / Sun Ra – Hummin / Where There Is No Sun Simon S Ediths) Simon S, seinerseits Produzent von Break Reform, hat über die letzten Monate so einige 7" es über Soul Clap rausgebracht, und dabei mehr oder weniger Hip-Hop Klassiker verbraten. Auffällig gut fand ich dabei immer die satten Drums, die eindeutig den Charme seiner Produktionen ausmachen. Jetzt sind also Roy Ayers und Sun Ra drangewesen, und ich entscheide mich täglich neu, welche Seite zuerst gespielt wird. Heute ist es Roy Ayers’ "Human". Buy
(Monkey Sequence 19 – Summer Blu)
Ein leuchtendes Abendrot, die letzten warmen Sonnenstrahlen begleiten mich in die Nacht und Summer Blu lässt die überfüllten Straßen von Berlin in sanfter Ruhe ausklingen. Ach, wie kitschig und trotzdem kennen wir wohl alle diese Momente. Monkey Sequence 19 sei Dank! Das Drumset klingt fluffig und liebevoll arrangiert, so das fast jeder Sample darauf Platz finden könnte. Ich habe erstmals 2004 einige solide Tracks gehört und generell ist eine enorme Steigerung der Produktionsweise zu hören. Klar geht es auf den neueren Produktionen etwas trendgerecht in Madlib oder Dilla Richtungen, aber es stört mich nicht, denn eins klappt da etwas besser. Es klingt nach richtiger Musik und durchdachten Arrangements. Durch diverse Blu features hat das Label Wonderful Noise ziemlich zügig den Weltmarkt erreicht. Großartiges Album und ein wunderbarer Song. Im kommenden hhv.de Magazin werden wir noch näheres über die japanischen Basements erfahren. Buy
(Blundetto – Voices)
Würde ich Dagga konsumieren, dann wäre das wohl der richtige Soundtrack dazu. Es klingt so jung, dreckig, verraucht und dann doch wiederrum schüchtern... Diese leckere 7 Inch hat mir den guten Dub wieder näher gebracht und die B-Seite ist ebenfalls edel. Der Glanz ist diese Vielfalt, der Rhytmus ist mir schon immer geläufig. Das Album Bad Bad Things schwächelt in meinen Ohren, aber egal! Beide 7 Inches zum neuen Album sind pures Dope! Buy
(Shlohmo – Spoons)
Er zählt momentan zu meinen absoluten lieblingen in dieser ganzen LA Wulzt. Er hat was eigenes und man erkennt seine Tunes meistens sofort heraus. Allein diese Baselines erblicken nur in Shlohmo's Händen so das Tageslicht. Trotz der ganzen wuchtigen Elemente gibt er einem genügend Zeit um Luft zu holen, ohne gleich total wie Flying Lotus in atmosphärischen Endlosschleifen zu versinken. Buy
(Asusu – Taurean)
Lange, monotone Dubplates prägen den heutigen Berghain Sound von Techno und Dubstep. Ich bin kein großer Fan davon, nach fast 5 Minuten immer noch auf dem gleichen Tune rumzulatschen, aber so mancher Produzent bekommt doch die Kurve. Der 21 jährige Asusu alias Craig Stennet gibt mir persönlich ausreichend Schwung um sich mit langen Tracks über Wasser halten zu können. Seine fesselnden Backrounds filtern mir diesen klaren Sound von Snares oder Hiats, der mir ebenfalls manchmal zu viel ist. Buy
(Oddisee – City Lights)
Einschlafen und nicht mehr aufwachen wollen. Lyrisch vielleicht nicht so schön wie Manuva's "Nachtschattengewächs", aber egal, denn da stimmt einfach alles. Ich bin mir nicht sicher ob dieses Instrumental auch von Stroe produziert wurde, aber wenn das so ist, dann gebe ich hiermit dicke Props an ihn raus! Das Album Droppin' Mirrors des deutschen Labels Think Loud ist mir etwas zu Platt, denn so manche Features will und kann ich einfach nicht mehr hören. Trotzdem gibt es für mich 3 Highlights und das reicht heutzutage schon völlig aus, um sich für das Vinyl zu entscheiden. Buy
(Joe Kickass Feat. Arts The Beatdoctor of The Q4 - Gratitude)
Ein bißchen was aus dem eingenen Hause muss schon sein, denn wenn wir das nicht mögen würden, wäre es nicht bei uns erschienen. Zu Arts The Beatdoctor muss man nicht viel sagen, denn alles was er bis jetzt veröffentlichte wurde ein Erfolg. Ob sein Solo Album "Transitions" (Japan Charts) oder sein Projekt The Q4. Alles hat ein Gesicht und doch unterschiedliche Begegnungen, wie auch mit Kickass, der nun nicht gerade ein typisches Beispiel für seine Features ist. Joe findet seinen Platz und spätestens wenn das wunderbare Saxophon einsetzt ist es sowieso um mich geschehen. Dieser Beat würde jeden Mc unterstreichen, ohne Kickass (vor allem Lyrisch) missachten zu wollen. Buy
(Daisuke Tanabe – Singing Grass)
Ja, ja, Gordon und sein Japan, aber Hey, die sind einfach FRESH und öfters ein bißchen schneller und wenn sie was kopieren, dann versuchen sie das Original noch besser zu machen! So mancher Producer aus Europa klingt 1:1 wie sein Vorbild und dann ist es Zeit für mich, die Nadel wieder in die Halterung zu legen. Ich schweife ab, denn dieser Song von Daisuke Tanabe ist KILLER und zusätzlich auf einem deutschen Label namens KI Records. Macht mich voll Stolz, echt wunderbar, wenn wir sowas hier beherbergen. Was kommt noch? Ich will bitte mehr hören!! Buy
(Ramadanman – Glut)
Meine persönliche Hymne auf Hemlock 2010. Knackig, abstrakt und ich verstehe den Hype absolut, denn man kommt einfach aus diesem Vibe nicht mehr heraus. Buy
(Kryptic Minds – Torn)
Dieses gute Stück scheint nicht mehr auf die 3-fach LP von One Of Us gepasst zu haben und daher gab es den kostenlosen Download. Ich habe mich gefreut und gleichzeitig ein wenig geärgert, denn so etwas muss auf schwarzes Gold! Monotonie pur, fast schleppend wird man hier von verschiedenen seichten Synthies gefüttert. Buy
Big Boi ist der andere Typ von Outkast - der, den die Klassenfahrtdiscjockeys für den Bodyguard von dem Typen halten, der mal das schmissige Liedchen mit dem tollen Video gemacht hat, das mal überall im Fernsehen lief. Naja. Wir sind ja hier in gebildeten Kreisen, also sind wir ganz doll erfreut über Soloalbum No. 1 incl. Shutterbugg. Buy
In Wirklichkeit hatte ich die James Blake Platte garnicht so richtig angehört. Als dann aber einer meiner Ausflüge in die schicke bunter Hippster-blogosphäre das hier (runterscrollen, bitte!) vor meine viereckigen Augen zauberte, musste ich das Ding unbedingt mal abchecken. Das ist Plattendiggen 2.0! CMYK fetzt! Buy
Herma Puma sind Pimpernel Jones (UK) und Simple X (US). Und das wars dann ehrlichgesagt auch schon an Facts … keine Ahnung wer die beiden sind, aber die 2 Tracks auf der Debut7er sind dick. Irgendwie nicht spektakulär aber doch in ihrer konservativen Art dick … ja, kann man so sagen. Und das reicht als wissenswerte Produktinformation ja schonmal aus. Buy
Lange, lange hab ich einen einigermaßen brauchbaren Edit von William DeVaughns 'Be Thankful For What You Got' gesucht. Eins meiner absoluten Lieblingslieder, aber halt n bissl lasch für die Disse. Und nu isser da, der Onur Engin Edit, zusammen mit 3 extra Perlen für den erfahrenen Discofuchs. Buy
Spitzenmäßige Coverversion, die erste: Everybody kennt 'Everybody Loves The Sunshine'. Klaro! Aber was sicherlich nicht everybody ge-know-t hat, ist dass der Herr Seu Jorge, der eigentlich schauspielernd seine Brötchen verdient (googelt mal: City Of God & Knockout Ned), ein ganz famoser Sänger ist und seine Band Almaz auch gekonnt in die Tasten haut. Roy Ayers Überklassiker ist auch 2010 im knappen brasilianischen Badedress wieder als Sommerhit zu gebrauchen. Buy
Spitzenmäßige Coverversionen im lateinamerikanischen Badedress, die Zweite: Sunlightsquare Latin Combos 'I Believe In Miracles'. Das war mal fällig. Gibt’s nicht viel zu schreiben. Hit. Buy
Ganz ehrlich, die Black Keys haben mich bisher sogut wie garnicht interessiert, und möglicherweise wird das auch in Zukunft so bleiben. Aber Tighten Up ist schon ne Marke. Mit munterem Gepfeiffe im Intro und einer ganz eigenen Funkigkeit … das passt! Und auch sehr gekonnt be-video-clipt! Buy
Es scheint sie noch zu geben: endlose Tapes mit großen, obskuren Boogie-Disco-Funk-Nummern. Von den Spürnasen des Peoples Potential Unlimited Labels reihenweise sorgfältig auf Vinyl gepresst, sorgten sie in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen bei Lo-Fi-Funk-Freaks allerorten. Das California Flight Project ist der letzte Streich der PPU Clique, meiner Meinung nach einer der gelungensten (bis jetzt). Buy
Hmmm. Colonel Abrams' Trapped? Wie soll man das nennen? 80er R-n-B? Proto-pop-house? An sich auch nicht so wichtig, denn daran kann sich eh kein Mensch erinnern. Schade eigentlich, denn das Ding hat was. Das dachte sich auch Herr Eli Escobar aus dem großen Apfel und so kommt´s mit n bisschen Extra-Bums wieder in die Plattenkisten und auf die Festplatten der 2010er Bescheidwisser. Gut so! Buy
(Guilty Simpson & Madlib – Coroner's Music) Ich habe es lange versucht, aber es will nicht klappen. OJ Simpson und ich haben nicht so richtig Bock aufeinander. Dabei hätte bei Madlib x Guilty eigentlich nichts daneben gehen können - außer man hat überhaupt kein wirkliches Album fertig, verwerkstückelt sämtliche gemeinsamen Songansätze mit der gleichen Anzahl an berühmten Beatskizzen und kaschiert das Ganze arroganterweise unter Madlib's genialischem Arbeitsethos. Coroner's Music war trotzdem übersuper, gerade weil hier aufgezeigt wurde, wie wenig der perfekte Guilty Song eigentlich braucht. Death to the fake is the only way to live. Meine Meinung. Buy
(M.I.A – Tell Me Why) Dave Chappelle und Ricky Gervais wissen bescheid. Wer zweimal über alle Maßen erfolgreich war, sollte überhaupt kein drittes Mal an den Start gehen, außer man hat etwas radikal Neues zu erzählen. Und im Gegensatz zu den meisten Kritiken, die man bisher zu Mathangis neuestem Streich lesen konnte, bekomme ich langsam das Gefühl, dass dieses Album absolut notwendig ist. Bestes Beispiel für einen möglichen Übergang in neue, selbsterdachte Sparten, ist "Tell Me Why" - Ein stoisch vor sich hin stampfendes Brett, irgendwie zu langsam, irgendwie zu viele Loops übereinander, irgendwie nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen. Ansonsten halt ich es da mit Kollege Aigner, die Platte braucht noch was. Buy
(Best Coast – When I'm With You) Grenzwertig, den hier reinzupacken, geisterte er doch schon 09 durchs Netz. Wurde meines Wissens nach aber erst dieses Jahr wirklich veröffentlicht, mit richtigem Video und drum und dran. Ein zutiefst meschuggener Song, der wie die Breeders anfängt und aufhört wie die Beach, äh, Girls. "When I'm with you, i have fun" & "I hate sleeping alone"... erstaunlich worauf man als Musikfan so reinfällt.
(Rusko feat. Amber Coffman – Hold On) Ab einem bestimmten Missverhältnis von Blut zu Alkohol, bin ich bestimmt gewillt, dieses Stück zu verteidigen. Vorher lasse ich erst gar keine Diskussion zu. Die wunderbare Amber von den Dirty Projectors (die zugegebenermaßen auch die Nina Sky-Schwestern sein könnte...) klaut für den einzig wahren Großraumdissen-dubstepper die Gesangslinie von Rod Stewarts "Young Turks". Wer nicht glaubt, dass sowas geschieht, vergleicht den Titeltrack der neuen Roots LP mit Paul Youngs 80's Schmonz "Come back and stay for good". Buy
(The Roots – How I got Over) Erm, jaaa... 80's Schmonz-Melodie habe ich schon erwähnt? Black Thoughts reibeisiger Sing-A-Long und das ultralässige Gerüst sind der schieren Begeisterung ebenso zuträglich. Genau da bitte weitermachen und es wird auch weiterhin keinen Grund geben, sich die nächste Roots-Platte nicht zu holen. Buy
(Flying Lotus feat. Thom Yorke - ... and the world laughs with you) Kollege Paul, der in dieser Rubrik den furiosen kick-start hingelegt hat, hat sich hierzu viel besser geäußert, als ich es könnte: Thom Yorke scheint einen Manager zu haben, der sich tagelang durch Blogs wühlt und den Front-Radiohead mit den lässigsten Künstler zusammenbringt. Der Mann macht gute Arbeit. Also, der Manager... Flylo, Thom Yorke und Paul ja sowieso. Buy
(The National – Terrible Love) Langsam dämmert mir, dass ich hier fast ausnahmslos Vorab-Singles verbrate... Man möge es weniger als zielloses Blog-Browsing meinerseits, denn als Geschmackssicherheit seitens der Verantwortlichen auslegen, bitte. Für The National gilt exakt das Gleiche, wie für Gaslight Anthem – Von der Angst vor der Killersirierung wirklich guter Bands, lass es ich mir die pure Freude nicht vergrätzen. Wird die Party halt mit ein paar hässlichen Fakern und Spiegelredakteuren mehr gefeiert. Buy
(Gil Scott Heron – Me and The devil) Wie viele innere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn Gil Scott Heron sein überschlagendes "Early this morning" hervorpresst, will ich gar nicht wissen. "Me and the devil" ist seine Postkarte von den Grenzgebieten des Wahnsinns, die er in 61 Jahren tragischerweise immer wieder zu Gesicht bekam. Man kann Richard Russel nicht genug dafür danken, dass er sich der Sache angenommen. Urban decay klang lange nicht mehr so beängstigend gut. Buy
(The Gaslight Anthem – Orphans) Wieso sollte man das denn gut finden? Nostalgie-Patchwork aus Cadillacs, Full-Sleeve Tattos, E-Street- & Tom Petty-Referenzen und allem was man sonst noch unter Americaness nachschlagen kann... Kann mir den Hype mal bitte wer erklären? - Ja, können wir, haben wir aber keine Lust zu. Halt deine Fresse und mach die Musik wieder laut. Buy
Eine, jeden Soundcheck zur Farce machende, Bassdrum, Jack/Clap-Wahnsinn und Synthmelodien outta Chicago-via-Detroit: ja, es fiele leicht Basic Soul Units "In The Trunk" mit zynischen Pr-Schwachmaten-Floskeln wie "Innovationskraft" und "Fortschrittsglauben" auf dem Retroschrotthaufen zu entsorgen. Man kann aber auch einfach mal auf Bauch, Beine und Po hören, sich ins Jahr 1988 beamen lassen und glücklich sein. Vinyl kommt hoffentlich bald...
Deep Medi Music hatte ich die letzten 1-2 Jahre immer unter "Hyperdub Lite" abgespeichert. Völliger Unfug, wenn man den brillanten 95 BPM-Stepper "Smooth Skin" von Quest hört. Oder aber das sogar noch - äh, Vorsicht es folgt ein abgedroschenes Adjektiv - magischere "Heavy As Stone" vom ewigen Alleskönner Mark Pritchard. Diese Vocals... Buy
Ja, ja "Get By" Redux. Pathos? Auch. Zu viel sogar. Aber Gänsehaut bleibt bei mir immer noch ein Gradmesser. Und genau die stellt sich auch nach Durchgang Nummer 50 noch ein. Reicht? Reicht. Die Rede war übrigens von Reflection Eternal und "In This World". Buy
Kritiker-Faux-Pas Nummer Eins: Einen Edit charten, dessen Original man nicht kennt. TBDs Rearrangement-Fähigkeiten stehen im Falle von "Get To My Baby" also nicht auf dem Prüfstand. Aber spielt das wirklich eine Rolle, wenn man derart funky knatterden Disco-Soul als Rohmaterial findet? Buy
Ohne Floating Points geht's nicht. Paul pickt "Shark Chase", ich nehme die A-Seite "Peoples Potential".. Warum? Weil ich mal Orakel spiele und dieses im entspannten Tempo dahinrollende Acid-Boogie-Monstrum in den nächsten Jahren stilbildend sein wird, beziehungsweise schon ist. Buy
2010 ist das Jahr der Allerweltsnamen. Allein der Umstand, dass ich mich nicht endgültig festlegen will, ob nun Thomas Müller oder John Roberts die letzten Monate mehr die Scheisse platt gerockt hat, zeigt, wie begeistert ich von dem Nicht-mehr-so-ganz-Neu-Berliner bin. Und "White" ist mit seinen brillant kontrastierten Stolperdrums und dieser so virtuos modulierten Synthline vielleicht sogar noch besser als Roberts' Großtaten zuvor. Buy
Ich lege mich fest: wenn kein Wunder mehr geschieht, wird Actress' "Splazsh" mein Album des Jahres. Und dieses unterkühlte Carpenter-Wave-Monstrum "Maze" ist daran nicht ganz unschuldig. Buy
Kennie und Louie tun es wieder - mitnichten. Was in den letzten Jahren nach gewitzt verschwitztem NY-House klingt, stammte häufig aus der Feder von Lauer/Beißwenger. Aber das vergisst man angesichts solcher Großtaten wie dieser schonmal. Meister bei der Arbeit halt. Ach ja, Track-ID noch: Arto Mwambe - Love Lift (CB Funk Dub)Buy
"Angel Echoes" oder doch lieber "Plastic People"? Am Ende gewann letzteres. Weil es keinen Track gibt, der den 'neuen' Four Tet so schön repräsentiert wie diese Ode an die stets vor der Schließung stehende Londoner Club-Instanz. Und weil Four Tet auch im UK-Bass-Modus immer dieses unfassbare Gespür für Fragilität hat. Ach, Gänsehaut gab's auch hier. Reichlich. Buy
Das halbe Jahr ist um, Zeit also für eine Bestandsaufnahme. Was waren unsere Favorites, was hat überzeugt und was ist hängengeblieben? In den nächsten Tagen stellen euch die HHV.DE-Autoren/Blogger hier ihre bisherigen persönlichen Top Ten des Jahres vor. Wir erklären, erzählen oder lassen einfach mal den Track/Song für sich stehen. Paul macht den Anfang. Spontan aufgelistet, ohne Gewähr auf Vollständigkeit.
Anfangen möchte ich mit einem (kleinen) Bekenntnis zu Danilo Plessow, der ja bekanntlich auch hinter Motor City Drum Ensemble steckt. Seitdem er in den vergangenen Monaten diese gottverdammten Rhodes weglässt, wissen mich seine Tracks auch endlich zu überzeugen. Wenn er dann auch noch so analog-'oldschoolig' und in DJ-Sneak-Manier um ein kurzes Vocal-Sample herumjackt wie auf seinem Alias Jayson Brothers und dem verzückenden "The Game", verzeihe ich ihm später vielleicht doch noch die für mich unsägliche Raw Cuts-Serie. Buy
Nicht Omar-S, Moodymann, Theo Parrish, Andrès oder Kyle Hall. Zwar lieferte jeder der (vor-) genannten Protagonisten in diesem Jahr mindestens einen überragenden Beitrag ab, meine zwölf Punkte nach Detroit gehen trotzdem an Marcellus Pittman, der auf seiner Maxi "Erase The Pain" süffisant zwischen den Stilen wechselt und dem klaustrobphobischen Maschinenfunk "Sync" einen frechen R&B-Edit entegegensetzt. (Illa 5 Ela) Buy
Auf das Phänomen Drake habe ich bislang überhaupt keine Rücksicht genommen, bis mich die Kollegen von Weknowrap auf folgenden Freestyle aufmerksam gemacht haben, der mich gänzlich überzeugt hat. Kurz und schmerzlos: Irgendwie macht Drake heute die Musik, von der Kanye West nichts mehr wissen will. Nicht immer gut, aber immer ehrlich, jenseits von den üblichen Plattitüden, sowie amtlich produziert. Wer hält dagegen? Give it 2 Me! Buy
Wer derart gekonnt ein Boys-II-Men-Sample aus seinem Kontext destilliert und in einem typisch-englischen Stil-Hybrid in epische Sphären hievt, der hat den letz- und diesjährigen Hype um seine Person vollkommen verdient. Joy Orbison's EP "The Shrew Would Have Cushioned The Blow” kommt zudem mit amtlichen Actress-Remix, "So Derobe" bleibt für mich jedoch eindeutig das stärkere Stück. Buy
Meine Schwester mag es. Mein Bruder mag es. Meine Freundin sowieso. Meine Kumpels lieben es. Ihr auch, ich auch. Wenn sich in diesem Jahr alle auf einen Track einigen können, dann ist es Aloe Blacc's "I need a Dollar", das gleichzeitig den Titeltrack der fantastischen neuen Serie "How To Make It in America" markiert. No escapin' this. Buy
Sauce Money kannte ich bisher gar nicht, aber Sauce Money ist auf jeden Fall zurück. Und wie. Zur Single Snipershot bleibt nicht viel zu sagen. "Shit is crack" wie irgendjemand in den youtube-Kommentaren in Rapper-Manier trefflich zu resümieren versteht. Leider noch nicht auf Tonträger erhältlich.
Der nächste vollkommen legitime Hype dreht sich natürlich um Floating Points, der auf Shark Chase zu einer der größten Basskeulen der House-Geschichte ausholt. Try this at home, im Klub könnte das Folgeschäden hinterlassen. Buy
Ähnlich verhält es sich mit Trickski's "The Warm Up", das im großartigen CB Funk-Remix dem Sounddesign eines Floating Points gar nicht so unähnlich ist. Etwas langsamer und eleganter, aber ähnlich effektiv. Buy
Der obligatorische Madlib-Beat zum Schluss. Auch wenn mich seine unzähligen Alben, Mixtapes und Kollabo-Alben in diesem Jahr bislang nicht überzeugt haben, bleibt auf den Mann aus Oxnard stets Verlass. Zwischen Papermill und Badu entscheide ich mich für Erykah, der Madlib hier mit "Umm Hmm" einen formidablen R&B-Groove auf den Leib schneidert, der auch TLC gut zu Gesicht gestanden hätte. Buy
Das Beste zum Schluss? Weiter nach dem Sprung!
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