Kollege Aigner und ich haben vor einem Monat die dürftigen Snippets bereits ganz groß gefeiert, jetzt erscheint Rick Wilhites dritte Vorab-Compilation-EP inklusive des dreckigsampligen Detroit-Disco-Cut-Up-Soul-House von Kyle Hall auch endlich auf Vinyl und wir freuen uns gewaltig. Erinnert mich ein wenig an Omar-S' Supremes-Hommage.
Grundsätzlich sind solche Neuauflagen - gerade wenn sie in einer dermaßen unästhetischen Aufmachung daherkommen - konsequent zu missachten. Da es sich aber hier um (zumindest mein persönliches) "They Reminisce Over You" der House Music handelt und das Original nicht besonders leicht oder günstig zu erhalten ist, möchte ich es trotzdem ans Herz legen.
Rick Wilhite's Plattenladen "Vibes New & Rare Music" ist eine der besten Adressen in Detroit, da verwundert es nicht, dass die lokale Prominenz (die wir hier so bewundern) dort ein und aus geht und ihrem Freund Rick feinste Demos und unveröffentlichte Stücke in die Hand drückt. Rick hat diese nun gesammelt und eine Compilation zusammengestellt, die in exklusiven EPs angekündigt wird, bevor 'The Whole Thing' den Weg in die Plattenläden findet. Nach Vincent Halliburton, Glenn Underground und Marcellus Pittman auf dem ersten Teil, folgt nun die zweite EP, auf der neue Stücke von Theo Parrish und Ricardo Miranda das Licht der Welt erblicken. Teil 3 ist übrigens auch schon in der Pipeline und verspricht mit Kyle Hall und The Godson einen reibungslosen Übergang.
Alle, die dieses House-Ding schon ein wenig länger mitmachen, werden sich an die Zeit gegen Ende der 1990er-Jahre erinnern, in der man eine Gruppe von vielleicht einem Dutzend House-Produzenten, die alle aus verschiedenen Städten kamen und deren Sound doch für die Entwicklung der anderen maßgebend war, als die sogenannten "Da Mongoloids" bezeichnete. Diese Gruppe stand für einen roughen, dreckigen, irgendwie 'straßentauglichen' und äußerst samplelastigen House-Entwurf, der heutzutage größenteils wieder aus dem Fokus gerückt ist. Neben Leuten wie DJ Sneak, Daft Punk oder Armand van Helden, zählt man noch Roger/Junior Sanchez, Ian Pooley, Gene Farris, Rhytm Masters und die Basement Jaxx zu diesen "Mongoloids". (Namensgeber dieser Crew, ohne historische Gewähr dürfte dieser van Heldensche Wahnsinn gewesen sein...)
Und da man zu dieser Zeit noch Tapes aufnahm (die man heute mühelos digitalisieren kann um sie daraufhin bei Soundcloud hochzuladen) möchte ich euch hier ein Tape von 2000 nicht vorenthalten, dass sich thematisch zwar nicht wirklich am Thema "Da Mongoloids" festhielt (und zudem ziemlich viele franzöische Produktionen enthält) , deren Sound dennoch sich auf den 95 Minuten ordentlich manifestiert. Wer eine Tracklist will, soll aufschreien, das könnte aber eine Weile dauern.
Komisch, dass dieser Sound heute wirklich ein bisschen 'prollig' wirkt und sich die Entwicklung von House doch stark in eine tiefere Richtung gewandt hat. Andererseits halten heute (immer noch) viele Leute zwischen A-Trak, van Helden oder Filthy Dukes die Fahne für diesen gnadellosen Sound hoch. Nun ja. Enjoy!
Sehr viele alte Chicago-Klassiker bekamen in den letzten Wochen und Monaten eine Neuauflage spendiert. Nun trifft es endlich auch Steve Poindexters Maschinenfunk "Work That Mutha Fucker", der - bei einer Erstveröffentlichung im Jahre 1989 - nun bereits über zwanzig Jahre auf dem Buckel hat. Und er hat sich verdammt gut gehalten, finde ich! (und wird gerne auch falsch archiviert, aber seis drum, so wie er die Dinge auf den Punkt bringt!)
Wie dieser ominöse Cottam seine Grooves in epische Längen und Höhen treibt, das ist schier beängstigend. Nun hat er auch noch Azari & Ill's Überhit "Reckless" einen seiner kräftigen Stempel aufgedrückt. So wie er es nahezu komplett dagagen sperrt, in seinen Tracks zur Sache zur kommen, scheint der Mann eine ausgeprägte Geduld mitzubringen. Mir mag es Recht sein. Eine schöne Hintergrundgeschichte zu Cottam gibt es im Übrigen bei den Kollegen von Resident Advisor.
Sehr geehrte Internetgemeinde: Der Siegeszug von Floating Points geht weiter. Hegt jemand Zweifel? Stark Chase, ein unglaubliches Future-House-Brett vor dem Herren, kommt im März auf Eglo Records. Yeah!
Von einem Tag auf den nächsten ist nach über zehn Jahren auf einmal Cajual wieder da. Nicht ganz offiziell, dafür aber mit einem großen Ausrufezeichen in Gestalt eines Klassikers von 1993, den Cajmere (anderen eher als Green Velvet bekannt) in seiner unwiderstehlichen Weise in einem Remix veredelt. Schnell zugreifen!
Gestern an selber Stelle: der House-Messias aus Detroit, Heute an dieser Stelle: Sein vielleicht größter (deutscher) Jünger, Danilo Plessow, dem Einem oder Anderen vielleicht auch als Motor City Drum Ensemble bekannt. Wenn nicht, dem darf ich zur Lektüre und Stopfung vielleicht vorhandener Gewissenslücken den Artikel des Kollegen Aigner ans Herz legen.
Für die Kollegen von XLR8R wiederum hat Danilo Plessow die neue Episode des hauseigenen Podcast zusammengestellt, der überraschenderweise eine Menge Klassiker zwischen Nervous, Warehouse und Nu Groove bereithält. Sehr schön das.
Viele werden es mitbekommen haben, dass gewisse Autoren bei HHV der Liebe zu House, Disco und dem ganzen Edit-Wahn verfallen sind. Diese Liebe führt an langweiligen Sonntagnachmittagen zu endlosen Soundcloudstunden, der Sichtung und dem Genuss etlicher neuer Housetracks und Artverwandtem und vor allem im Aufnehmen spontaner Sets, die den Output der vergangenen Wochen von favorisierten Künstlern wie The Revenge, KRL,Eric D. Clark und verschiedener obskurer Edits und Remixe zwischen Toto und Tina Turner sowie Chris Rea zum Thema haben. Viel Spaß damit. For home-listening pleasure.
Wer das Jahr 2009 im Hinblick auf House, Disco, Cosmic und Artverwandtes aus Deutschland Revue passieren lässt, der kommt an den Münchenern von Permanent Vacation nicht vorbei. Zeit also, um den einen oder anderen Hit des Jahres mitzunehmen. Denn 2010 geht es munter weiter mit den Hits, wie die unten aufgelisteten Snippets der neuen Tensnake-EP vermuten lassen.
Diese Platte ist dermaßen grandios, dass ich es mir erlaube, auch ohne verknüpftes youttube-Video darauf zu verweisen. Egal ob schnellspurige Disco-Grooves, pianoschwere Housesalven oder basslastige R&B-Kaliber: Rick Wilhite beherrscht sie alle und liefert die Konsensplatte des Dezembers.
Mhhhhh... Ich bin nicht sicher, ob es sich tatsächlich um "Lake Shore Drive" (das in Wirklichkeit von Theo Parrish produziert ist) handelt oder um einen anderen aaaaalten KDJ-Track von Moodymann (und bin zu faul um das jetzt zu verifizieren), aber Todd Terje scheint in den letzten Monaten Spaß daran gefunden zu haben, alte Detroit-Maxis einem Edit zu unterziehen. Erst der an Moodymann's "I can't kick this feeling when it hits" orientierte Chic-Edit, dann der Freeki-MF und zuletzt eben das obige Stück. Irgendwann ist genug mit der ganzen Editerei finde ich, doch wenn das ganze so smart arrangiert ist in der unverkennbaren Terje-Art, so habe ich dennoch nichts dagegen. Hit!
Weniger ist manchmal mehr. Dieses Prinzip beweist Motorcity's Own Mister Theo Parrish schon seit Jahr und Tag und kann auch in diesem Jahr ein Liedchen von singen. Nicht, dass die Remix-LP für LCD Soundsystem's letzjähriges Album 45:33 mit Namen wie Prins Thomas, Pilooski, Riley Reinhold oder Trus'Me ohnehin schon prominent besetzt wäre. Mister Parrish jedoch schließt sich in seinen Detoiter Keller ein, werkelt und tüftelt an all seinen Vintage-Analog-Sequenzern, setzt mit seinem Minimal-House-Entwurf noch einen drauf und stellt die ganzen Copycats gekonnt in den Schatten.
Diese gigantische Oldschool-Hymne, die das Beste aus 30 Jahren House-Music-Geschichte zwischen Chicago, New York und London kondensiert, läuft zur Zeit auf allen Kanälen und soll auch hier ihren Platz finden. Die Münchener von Permanent Vacation beweisen mal wieder ein goldenes Händchen, sorgen für einen der Hits des Jahres und giessen diesen endlich auf Vinyl.
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